Ikone ist ein großes Wort. Der Duden bringt es mit Synonymen wie "Kultfigur", "Legende" oder gar "Mythos" in Verbindung. Nicht viele davon gibt es unter Automobilen - "nur eine Handvoll", wie Zetsche präzisierend feststellt. Der Mercedes SL gehört zu jenem elitären Club der Traumwagen, auf die sich die Begehrlichkeit der Autofans richtet. Auf der Detroit Motor Show, die am 14. Januar ihre Pforten auch für das breite Publikum öffnet, steht die brandneue, komplett überarbeitete Generation zur Schau. Und es darf als ausgemacht gelten, dass sie ein Heer bewundernder Besucher zum Mercedes-Stand locken wird.
"SL" - das steht für "super" und für "leicht". Vor allem letzteres ist beim neuen Modell wörtlich zu nehmen. Dank seines Aluminium-Rohbaus und dem Einsatz von extrem leichtem Magnesium hat der elegante Roadster um rund 140 kg abgespeckt. "In der Praxis wirkt sich das so aus, als ob ein Beifahrer der Schwergewichtsklasse ausgestiegen wäre", sagt der für die Rohbaustruktur verantwortliche Dr. Thomas Rudlaff.
Dazu haben die Designer ganze Arbeit geleistet. Was sich im Auge des Betrachters seit Generationen bewährt hat, sollte nicht geändert werden, und so reckt auch der neue SL eine langgestreckte Nase in den Wind, die beiden Passagiere nehmen in einer zurückgesetzten, kompakten und selbstredend hochgradig luxuriösen Fahrgastzelle Platz. Als "Athleten und Ästheten" rühmt Mercedes-Marketingchef Dr. Joachim Schmidt den Edel-Zweisitzer. Weit nach außen positionierten Scheinwerfer zeigt der auf, die fünf verschiedene Lichtfunktionen in sich bergen, dazu spannende Linien und als Abschluss ein kurzes Heck, das kontrastierend ziemlich schlicht - vielleicht sogar etwas zu schlicht - gestaltet wurde.
Anders als der Vorgänger hat der SL nun drei verschiedene Dachvarianten zu bieten: Lackiert, mit Glas oder - das hat er sich vom kleineren SLK abgeguckt - dem Panorama-Variodach mit so genannter "Magic Sky Control", das sich auf Knopfdruck wahlweise hell oder dunkel schalten lässt. Binnen zwanzig Sekunden wird der Blick gen Himmel freigegeben, nahezu lautlos, allerdings nur im Stand, was Mercedes mit Sicherheitsvorschriften vor allem in den USA begründet. Ein elektrisches Windschott schützt die Insassen vor Turbulenzen, der Nackenfön "Airscarf" sorgt mit dosierbarer Warmluft für Cabriotauglichkeit auch an kühleren Tagen.
Ganz eigene Innovationskraft markiert das neuartige Wisch-/Waschsystem, zu dem ein Wischerblatt gehört, das die Reinigungsflüssigkeit direkt vor die Wischlippe bringt und so das Cockpit vor ungebührlichem Sprühregen bewahrt. Neu auch das Frontbass-System, das den Basslautsprecher direkt vor dem Fußraum unterbringt und so eine ungeahnte Klangfülle generiert.
Nicht ganz neu (man kennt das beispielsweise vom VW Passat), aber dennoch sehr praktisch: Zuvorkommenderweise öffnet sich der Kofferraumdeckel auf eine Fußbewegung unter den Stoßfängern hin. Exklusiv besitzt der SL obendrein die Fähigkeit, die Klappe auf diese Weise auch wieder zu schließen.
SL, wir erinnern uns, bedeutet nicht nur leicht, sondern auch super, und da vor allem sportlich. Ein Adjektiv, das die Motoren mit Leben erfüllen sollen. Zum Beispiel der superstarke V8 im SL 500, der sich aus 4663 Kubik satte 435 Pferdestärken holt und dabei stattliche 700 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmt. Das reicht für den Sprint von 0 auf 100 in 4,6 Sekunden. Ob das Mercedes-Versprechen eines um 22 Prozent reduzierten Verbrauchs gehalten werden kann, werden Fahreindrücke zeigen müssen. Geradezu bescheiden nehmen sich im Vergleich dazu die 306 PS aus, die der 3,5-l-V6 freisetzt. Auch er, so sagt Mercedes, sei sparsamer geworden, um 30 Prozent, und verbrauche jetzt 6,8 l auf 100 km. Beide Motorvarianten sind serienmäßig mit Start-Stopp-Automatik und dem Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus kombiniert. Später wird Mercedes noch einen Diesel lancieren und, vor allem für den leistungs- und prestigehungrigen US-Markt, eine extra starke AMG-Variante.
Nur eine Handvoll automobiler Ikonen gibt es, und Teil ihres Mythos ist es, dass sie sich nicht jedermann leisten kann: Für den SL 350 ruft Mercedes 93534 Euro auf, für den SL 500 gar 117096 Euro. Was aber immerhin das Potenzial einer Wertanlage birgt: Ein "High Investment Performance Fahrzeug" sei der rollende Mythos, meint Zetsche, und Joachim Schmidt erklärt, was damit gemeint ist: In den späten 50ern habe ein SL rund 30000 Mark gekostet - gut gepflegt und top erhalten sei er heute ungefähr vierzig Mal so viel wert.
Ulla Ellmer
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